Barrierefrei-Menü
Schrift
NormalGroßSehr groß
Kontrast
NormalStark
Bilder
AnzeigenAusblenden
Leichte Sprache
AusEin
Vorlesen
Vorlesen starten
Vorlesen pausieren
Stoppen

Dazwischen

01.12.2025

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich ziemlich „zwischen“: zwischen Abschied und Neubeginn, zwischen letzten und ersten Mails, zwischen Kisten ein- und Kisten auspacken.
Und wenn Sie diese Zeilen lesen, sind vielleicht auch Sie gerade „zwischen“ – zwischen Weihnachtsstress und Weihnachtsfreude, zwischen dem Loslassen des alten Jahres und der Hoffnung auf das neue.
Dieses „Zwischensein“ ist nicht leicht. So vieles liegt übereinander – Gedanken, Gefühle, Sorgen, Hoffnungen. Alles geschieht gleichzeitig, nichts ist ganz klar, vieles ist unsicher. Unsere Sprache verfügt über eindrückliche Bilder für solch unbequeme Lebenssituationen: „zwischen Baum und Borke sein“, „zwischen allen Stühlen sitzen“ oder „zwischen Tür und Angel stehen“.
Die Bibel erzählt von Mose. Auch er war oft „zwischen“ – zwischen Gott und dem Volk, zwischen Wüste und gelobtem Land, zwischen Mut und Erschöpfung. Seine Aufgabe, das Volk in die Freiheit zu führen, brachte ihn an die Grenze seiner Kräfte. Und dann kommt dieser Moment, in dem Mose Gott sehen will – ein Zeichen, ein Stück Gewissheit, dass es weitergeht. Und Gott weist ihm einen Platz zu: eine enge Felsspalte, mitten im rauen Gestein. Dort, zwischen den hohen Wänden, ist „Raum bei Gott“ (2. Mose 33,21). Von dort darf Mose Gott nachschauen. Er darf die Wege sehen, die Gott mit ihm und dem Volk schon gegangen ist. Am nächsten Tag wagt Mose einen Neuanfang – mit neuen Gesetzestafeln und neuer Hoffnung.
Ich mag diese Geschichte sehr. Sie erzählt davon, dass Gottes Raum im Dazwischen ist. Dass er „Da im Zwischen“ ist und offenbar gerade in den anstrengenden und unbequemen Zwischenräumen des Alltags erfahrbar und nahbar– ein wunderbarer Gedanke für meine und vielleicht auch Ihre Zwischenzeiten.
Bleiben Sie behütet!


Ihre Pfarrerin Eva-Maria Menard